Street Art from Richmond, Virginia
Remember You Are Dreaming
© http://rememberyouaredreaming.com/

Erinnerungen bleiben

In der Nacht kommt meine Tochter oft in mein Bett gekrochen. Während des Schlafs, tastet sie nach mir und sucht mit Ihren kleinen Händen den Kontakt. Vielleicht träumt sie und prüft in ihren Träumen ob ich denn noch da bin. Manchmal liege ich im dunkeln wach und denke darüber nach was ich noch alles zu tun und zu erledigen habe. Welche Themen noch ausstehen, welche Rechnungen zu bezahlen sind und wie ich das Ein- oder Andere bewerkstelligen soll. Manchmal sind es Sorgen, manchmal Erfreuliches.

Ich denke über die Arbeit nach, über den Alltag, über Probleme, wie weit ich mit manchen Dingen zurück liege und welche Dinge ich beiseite gedrängt habe. Probleme und Dinge die mich in meiner Erwachsenenwelt beschäftigen.

Manchmal aber stoppe ich diese Gedanken und konzentriere mich auf die kleinen Händchen die mich ertastet, mich festhalten oder die sich in meine Hand gegraben haben. Diese Momente möchte ich festhalten, in meinen Erinnerungen behalten. Ich flüstere: „Erinnere Dich“

Erinnere dich wie es sich anfühlt, nachts im Bett zu liegen und den regelmäßigen und friedlichen Atem Deines Kindes zu lauschen, zu spüren und wahrzunehmen wie es stetig näher kommt.
Es spielt keine Rolle was im Haushalt noch alles unerledigt ist!

„Erinnere Dich“

Eines Tages werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein. Eines Tages werde ich weg sein! So wie es uns allen irgendwann einmal gehen wird. Eines Tages wird die Zeit kommen in der ich nur noch von oben auf meine Kinder aufpassen kann und versuche die Hand schützend über sie zu halten, denn es werden immer meine Kinder bleiben. Und ich möchte die Erinnerungen an diese wundervolle Zeit mit meinen Kindern mitnehmen.

Eines Tages werden die Erinnerungen an mich reduziert sein auf die Ticks und die Macken die ich besessen habe, an frustrierende Diskussionen, der Erinnerung an die Liebe, die Wärme, die Güte, das Lachen und vielleicht erinnert sich mein Kind dann noch an meinen Geruch. Ansonsten bleib vielleicht ein abgenutztes Fotoalbum und vielleicht noch das Ein oder Andere Erinnerungsstück und natürlich eine kleine Schachtel mit wichtigen Erinnerung in Form von Briefen, o.ä. die ab und zu mal geöffnet wird.

Ich hoffe dass ich alt werde. Alt und runzlig aber in der Lage meine Enkelkinder zu treffen. Ich möchte ihnen etwas über Ihre Eltern erzählen. Über meine Tochter, die jetzt selbst Mutter ist – über meinen Sohn, der dann selbst Vater ist. Ich möchte ihnen erzählen dass sie tolle Eltern haben, die unheimlich tolle Kinder waren. Die Nerven die sie mir geraubt haben sind egal und spielen keine Rolle.

Ich möchte mich an dieses verwundbare, verletzliche und schutzbedürftige Kind erinnern. Das mich nachts mit einem herzzerreisenden Schrei geweckt hatte, weil es einen bösen Traum hatte und nach Schutz sucht. Ich werde es vermissen! Ich erinnere mich an die Nächte in den Krankenhäusern, auf Spielplätzen, bei actiongeladenen Unternehmungen, nachts an deinem Bettchen wachend als Du Krank warst.

Ich möchte zumindest so lange leben bis ich das Gefühl habe dass es okay ist wenn ich gehe. Ich weiß dass nicht ob ein Elternteil jemals das Gefühl haben wird das alles Okay ist aber wir müssen unseren Kinder vertrauen und lernen damit umzugehen, wenn wir uns auf unsere letzte Reise verabschieden. Ich möchte nur das Gefühl haben dass ich das war, was meine Kinder gebraucht und benötigt haben und das ich ihnen dazu verholfen haben ihr Leben zu meistern, egal welche Situationen vor ihnen liegen. Und dass Werte wie Toleranz, Liebe, Wärme, Respekt und Hilfsbereitschaft keine Fremdworte sind. Ich möchte dass sie ebenso lernen jenen zu helfen die ihren Schutz und ihre Hilfe benötigen.

Ich möchte lange genug leben um ihnen die Geschichten zu erzählen die ich nirgends aufgeschrieben habe, die ich ganz alleine meinen Erinnerungen entnehme. Die Geschichten über mich, meiner Mutter, meines Großvaters und jenen die zuvor auf dieser Welt gelebt haben und uns die Möglichkeit gaben zu leben.

Ich möchte den Kindern meiner Kinder Geschichten aus der Vergangenheit erzählen.

Ich möchte an das Gefühl erinnern das ganz egal, ob wir die Luft eines lauen Sommerabend oder eines klirrend kalten Winterabends einatmen, während wir den Sternenhimmel anschauen, stets das selbe und doch immer wieder etwas Neues war. Das Gefühl wird immer das gleiche sein. Schon immer und für Immer! Für uns alle!

Das Leben und was wir daraus machen!

An all diese Momente möchte ich mich erinnern und ich möchte meine große Tochter kennen lernen.

Ich möchte deren Kinder kennen lernen. Ich möchte lange genug leben dass meine Tochter, die irgendwann eine Frau sein wird – aber immer meine kleine Tochter bleibt – weiß und begreift dass ich sie liebe. Ohne irgendeinen Zweifel.

Liebe für das was und wer sie ist!

Ich hoffe so alt zu werden, um zu sehen dass meine Tochter erkennt dass sie alles tun kann was sie will! Dass sie die Welt verändern kann und dass sie die Welt verändert hat, als sie in meines kam.

Ich möchte dass sie weiß dass ich stolz auf sie bin, egal was sie einmal tun wird. Ob als Kassiererin, Toilettenfrau, Hausfrau oder Ingenieurin. Für mich zählt nicht für was sie sich irgendwann einmal entscheidet, es zählt dass sie es versucht und dass sie eines Tages Akzeptanz und Erfüllung darin findet. Wo auch immer ihre Reise hingeht.

Ich möchte mich daran erinnern dass sie mein allergrößter Stolz ist. Egal was ich den Rest meines Lebens dafür tun muss!

„Erinnere dich“

Erinnere dich jetzt, erinnere dich wenn du deine To-Do Liste gedanklich durchgehst. Erinnere dich morgen daran, wenn du mal wieder zu knapp dran bist.

Erinnere dich immer daran!

Leave a Reply

*

5 comments

  1. Pingback: Erinnerungen bleiben | Familie Rockt

  2. Sabrina

    Das hast Du wunderschön geschrieben ♥. LG Sabrina

  3. Caro

    Danke für diesen tollen Text. Das bringt einen echt zum Nachdenken.

  4. Pingback: Das Bloggen der Anderen (34) | Familienbetrieb

  5. EVAB

    Danke, danke, danke für diesen Beitrag, den ich mit Tränen in den Augen lese, während rechts neben mir meine Tochter (2,5) angekuschelt liegt und links mein Sohn (4 Monate) sich in mich reingräbt. Ich werde mich an diesen Moment erinnern!

Next ArticleNicht die Mama!